Wöllstein

hier fühle ich mich wohl

Virtuelle Führung zum Wöllsteiner Wasserturm
Eva Müller ist Deutsche Weinprinzessin
Eva Müller aus Wöllstein (Bild erste v. rechts) wurde in Neustadt a.d.W. zur Deutschen Weinprinzessin 2020/2021 gewählt. (Bild: DWI)
Herbst in Wöllstein - Spätsommer und Weinlese
Wöllstein von oben
(Bild: Timo Schüler)
Wöllstein blüht auf
Die Verwaltung stellt sich vor...
... von links die Beigeordneten Franz-Georg Schopf und Alice Selzer, Ortsbürgermeister Johannes Brüchert und 1. Beigeordneter Michael Kohn.
Partnergemeinde Great Barford
Der Besuch 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie leider abgesagt! 2021 treffen wir wieder unsere Freunde!
Partnergemeinde Barsac
Der Besuch 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie leider abgesagt! 2021 treffen wir wieder unsere Freunde!
Graffiti-Aktion der Realschule-plus Wöllstein im Mai 2019
Wöllstein ist besiedelt seit vorchristlicher Zeit und seit der Römerzeit - viele Funde (auf der Kissel, Ernst-Ludwig-Straße, Spatenmühle...) deuten darauf hin.  
Zum ersten Mal in der Geschichte wird Wöllstein erwähnt unter dem Namen Welthistein mit Datum vom 18.07.855 n.Chr. in einer Urkunde des Lorscher Codex.

Bald danach war es für viele Jahrhunderte im Besitz des Klosters Maximin bei Trier und ab dem 14. Jahrhundert ist Wöllstein im Besitz von den Wildgrafen & den Raugrafen (Die Anteile sind verworren).
Die Grafen von Spanheim, die Kurpfalz, Baden und Veldenz, das Haus Nassau, das Haus Falkenstein – alle hatten in späteren Jahren Anteile an Wöllstein.
Ende des 17. Jahrhunderts erlangte auch Kurmainz einen Anteil an Wöllstein.
1797 wird Wöllstein französisch und 1815 hessisch.
1816 bekam unsere Region den Namen Rheinhessen seit 1852 gehört es zum Kreisamt Alzey.
Nach einer wechselhaften Geschichte im 20. Jahrhundert fühlen wir uns Anfang des 21. Jahrhunderts nun als Rheinhessen im Landkreis Alzey-Worms.

Wöllstein hatte am 30.06.2011: 4.545 Einwohner

Die Größe der Wöllsteiner Gemarkung beträgt 12 km²

Die Höhe ist 134 mm ü. NN

 

Das Wöllsteiner WappenUnser Wappen zeigt das Mainzer Rad und den Kurpfälzer Löwen

Wöllstein ist Sitz der Verbandsgemeinde Wöllstein, größte Gemeinde innerhalb der Verbandsgemeinde und Grundzentrum mit Infrastruktur für die Umgebung.

 

 

Schulen

Folgende Schulen gab es in früheren Zeiten in Wöllstein:

Bis 1875 bis zu 3 Konfessionsschulen in der Ernst-Ludwig-Straße,
ab 1876 die Kommunalschule,
eine Gewerbeschule und eine höhere Bürgerschule und es gab
die Präperantenanstalt, die ein Vorseminar zur Ausbildung zum Lehrer war.

Heute haben wir in Wöllstein:

  • Grundschule Am Appelbach aus dem Jahre 1962, erweitert 2004
  • Realschule Plus aus dem Jahre 1983, erweitert 2000

Beide Schulen mit Ganztagsbetreuung. Die Realschule plus hat seit 2008 ein eigenes modernes Mensagebäude.

Appelbach und Mühlen

Der Appelbach entspringt im Nordpfälzer Bergland südwestlich des Donnersberges, etwa 1 Kilometer nordöstlich von Falkenstein an der Westflanke des Kübelbergs auf einer Höhe von 395 m ü. NN. Von hieraus fließt er vorrangig in nördliche Richtungen.

Der Appelbach mündet gegenüber von Bretzenheim auf 98 m ü. NN rechtsseitig in die Nahe. Auf seinem 39,6 km langen Weg überwindet der Appelbach einen Höhenunterschied von 297 m. Er entwässert sein 174,615 km² großes Einzugsgebiet über Nahe und Rhein in die Nordsee und gehört deshalb zum Flusssystem des Rheins.

Appelbach bedeutet Abfluß oder Abfallbach (Appula)

In Wöllstein gab es schon früh viele Mühlen entlang des Appelbaches, doch heute ist keine mehr in Betrieb: 

  • Bannmühle/Schloßmühle ist die älteste aus dem 14. Jahrhundert
  • Mittelmühle aus dem Jahr 1611 und daneben die
  • Neumühle,
  • Würzmühle (Würzgärtchen) - existiert schon lange nicht mehr,
  • Spatenmühle = Hammerschmiede
  • Ölmühle und die
  • Druck'sche Mühle
  •  
Gericht und Notariat in Wöllstein: Wöllsteiner Weistum.

Schon im tiefsten Mittelalter war Wöllstein eine Gerichtsstätte. Es war etwa nicht ein kleines sogenanntes Marktgericht hier, sondern ein größeres mit "14 Schöffen" besetztes Gericht, an welchem "aller gemeinen Herren freundt und Amptleut" teilnehmen mußten. Nach dem Wöllsteiner Weistum vom Jahre 1486 fand in Wöllstein alle Jahr "ein gebotten Ding" (also ein ordentlicher Gerichtstag) "uff den nechsten montag nach Martinei, im Winter gelegen" statt.

Sollte sonst "ein gebotten Ding", das gewöhnlich alle 4-6 Wochen stattfand, gehalten werden, dann musste nach dem genannten Weistum ein Tag zuvor "mit geleuten glocken" durch den gemeinsamen Büttel dies verkündet werden. Wenn diese Ankündigung nicht erfolgte, dann erhielten "Schöffen und Gemeindsmannen" strenge Strafen.

Am Gerichtstag selbst musste der Schultheiß, der den Vorsitz führte, die Schöffen an ihre Gelübde und an ihren Eid ermahnen, auf dass sie alle "ruchbaren Dinge, brüch und frevel" angeben. "Morgens um 6 Uhr soll eine Frühmesse sein, um 7 Uhr soll es zum Ding läuten, um 8 Uhr soll es anheben, auf dass es um 10 Uhr aus ist."

Das Gericht urteilte über "brüch, frevel, hoch und nieder, auch über den Hals, leib, haupt, dieb und diebin und alle andre strafbar missetätige Menschen". In diesem Weistum ist auch bestimmt, dass in Wöllstein ein jedes Haus jährlich eine Erntegans und ein Fastnachtshuhn als Zins geben musste.

Es gab hier 3 Zinstage:  

• "Tag nach Mariä Geburt" - er war für Zinskorn (sog. Frechtkorn)
• "Der 5. Tag Martini" - er war für "habern und kappenzins".
• "uff Andreä," - da soll ein jeder sein Geldzins dem Fauth (Steuererheber) zu Haus bringen.

Nach dem Kreuznacher Weistum von 1601 besaßen die Dörfer Wöllstein, Voxheim, Norheim u.a.m. das Landgericht zu Kreuznach und urteilten über das Blut. Sie hatten deshalb auch das Recht, in und aus der Stadt mit ihrem Gefährt zollfrei zu fahren und vom Malter Frucht nur einen Heller zu geben.

In späterer (Mainz-Nassauischer) Zeit war kein höheres Gericht mehr hier. Verwaltung und Justiz waren damals nicht getrennt. Gerichtstage, die für beides zuständig waren, fanden in Wöllstein alle 14 Tage statt. Die beiden Ober- und Unterschultheißen und die Gerichtsmänner mussten an demselben teilnehmen.

Das Friedensgericht wurde in Wöllstein in der französischen Zeit im Jahre 1798 eingerichtet. Seit dem 1. Oktober 1879 führte es den Namen Amtsgericht und war seit 1910 im Gebäude in der Bahnhofstraße 10 untergebracht. Seit Auflösung des Amtsgerichtes befindet sich seit 1975 die Verbandsgemeindesgemeindeverwaltung Wöllstein in diesen Räumen.

 

Jüdische Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus in Wöllstein

(Text zu den jüdischen Familien von Gerhard Holzer, Wendelsheim, Stand November 2012)
 
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten drei jüdische Familien (10 Personen) in Wöllstein. Um 1820 wurde der jüdische Friedhof angelegt; schon vor 1850 hatten die Juden einen eigenen Betsaal.

1900 wohnten 67 Juden am Ort, 1933 45 Personen.

In den ersten Jahren der Nazizeit verließen zahlreiche jüdische Einwohner auf Grund der Anfeindungen, Entrechtung und Verfolgung durch die Nazis Wöllstein: 7 nach den USA (Familie Mendel), 5 nach Argentinien (Familie May); andere verzogen in größere Städte in Deutschland, vor allem nach Frankfurt.

Anfang November 1938 lebten noch 21 jüdische Einwohner in Wöllstein. Beim Novemberpogrom wurde der 74-jährige Adolf May ermordet, seine Nichte Emilie May wurde schwer misshandelt. Die Inneneinrichtung und Kultgegenstände des Betsaals (Synagoge) in der Kreuznacherstrasse 5 wurden demoliert und verbrannt. Das Haus der Familie Nachmann wurde von Volksschülern verwüstet und teilweise zerstört. Auch andere jüdische Wohnhäuser wurden geplündert und ihre Bewohner angegriffen und drangsaliert.

Nach dem Novemberpogrom verließen weitere jüdische Bewohner fluchtartig den Ort. Bei der Volkszählung im Mai 1939 sind nur noch 9 Juden in Wöllstein registriert; 6 von ihnen wurden Ende September 1942 aus Wöllstein abgeholt und in die Vernichtungslager deportiert, wo sie in Treblinka bzw. Auschwitz ermordet wurden.

Ende September 1942 wurden aus Wöllstein deportiert:

Die Mutter Minna Kaufmann geb. Wolf , 81 Jahre alt, umgekommen am 26. November 1942 in Theresienstadt
Ihre Tochter Flora Kaufmann, 45 Jahre alt, verschleppt nach Theresienstadt, im Januar 1943 nach Auschwitz
Die Söhne: Moritz Kaufmann, 51 Jahre alt (mit seiner Frau Frieda Kaufmann, geb. Streifler);
Karl Kaufmann, 49 Jahre alt;
Ludwig Kaufmann, 48 Jahre alt – wurden nach Treblinka verschleppt und dort ermordet.
Sohn Wilhelm Kaufmann, 53 Jahre alt, wurde 1942 deportiert, mit unbekanntem Ziel.
Aus Siefersheim wurde der 16jährige Richard Keller nach Treblinka verschleppt und dort ermordet.
Die Familie Kaufmann wohnte in der Eleonorenstrasse 55 und betrieb einen Landproduktehandel.

Das Ehepaar Josef und Minna Kaufmann hatte 5 Söhne und 4 Töchter; nur die Tochter Anna und der Sohn Hugo überlebten die Nazizeit, da sie nach den USA ausgewandert waren.

Im Gedenkbuch des Bundesarchivs sind 34 jüdische Menschen aufgeführt, die entweder in Wöllstein geboren waren oder in den 30-er Jahren in Wöllstein gelebt hatten und von den Nazis ermordet wurden. - Das älteste Opfer war die 88jährige Karoline Neuberger, geb. Kaufmann; auch Minna Kaufmann, Sophie Oppenheimer, geb. May, und Juliane May waren hochbetagt, als sie verschleppt wurden. Die Hälfte der Wöllsteiner Opfer waren über 60 Jahre alt; 12 der Opfer stammten aus den Familien Kaufmann, 10 aus den Familien May.

Zwischen 1933 und 1939 mussten über zwei Dutzend der jüdischen Bürger Wöllsteins ihre Heimat verlassen und sind ausgewandert oder an andere Orte in Deutschland verzogen. Hier sind vor allem Angehörige der Familien May, Mendel, Kahn, Kaufmann und Nachmann zu nennen.

An die jüdischen Einwohner von Wöllstein erinnert heute noch der jüdische Friedhof und eine Erinnerungstafel am Gebäude der Verbandsgemeinde.

 

Öffentliche Gebäude

Evangelische Kirche, Ernst-Ludwig-Straße
Die alte Simultankirche wurde schon 962 n. Chr. genannt, sie brannte 1371 nieder, wurde wieder aufgebaut und 1383 wieder eingeweiht.

Heute ist nur noch der Chorturm aus dieser Zeit, der Kern ist spätgotisch aus dem Jahr 1515, die Erweiterung war 1812-16, der Wiederaufbau 1911/1912.

Seit 1565 ist sie auch reformierte Kirche und ab 1685 Simultankirche bis zum Neubau der katholischen Kirche in der Kirchstraße.

Katholische Kirche, Kirchstraße:

Gebaut in den Jahren 1906/07, eingeweiht 1908, mit barockem Altarkruzifix aus dem 18. Jh. 

Rathaus der Ortsgemeinde, Ernst-Ludwig-Straße:
Das Rathaus ist Sitz der Ortsgemeinde und Dorfgemeinschaftshaus für Vereine.

Es wurde um 1860 als Amtsgerichtsgebäude gebaut und blieb dies bis zum Neubau in der Bahnhofstraße.

Verbandsgemeindeverwaltung, Bahnhofstraße:
Das ehemalige Amtsgericht in der Bahnhofstraße aus dem Jahr 1905 ist heute Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung.

Wasserturm

Das Wahrzeichen Wöllsteins ist der Wasserturm auf dem Höllberg. Er ist aus dem Jahre 1906: Ein historisierender Bruchsteinbau, der ursprünglich als Wasserbehälter gebaut wurde. Heute wird er nur noch als Aussichtsturm genutzt, aber diese Aufgabe erfüllt er sehr gut! Der Wasserturm steht unter Denkmalschutz.

Bis 1977 waren die Wasserbehälter in Betrieb, dann erfolgte Inbetriebnahme der neuen Wasserhochbehälter auf dem Höllberg.

Gemeindezentrum, Great-Barford-Straße:

Das Gemeindezentrum der Ortsgemeinde ist aus dem Jahre 1988 und im Gemeindeleben der Wöllsteiner nicht mehr weg zu denken: Treffpunkt des gemeindlichen Lebens mit großem Veranstaltungssaal, Seniorenraum, Jugendtreff und Bauhof.

Haus der Begegnung, Alzeyer Straße:

Mit Mitteln der Stadtsanierung wurde das Wohnhaus als Begegnungsstätte für Jung und Alt im Jahre 1994 von der Ortsgemeinde erworben und für die öffentliche Nutzung umgebaut. Vorher war es das Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Betriebes.

 

Das Lied der freyen Wöllsteiner

aus dem Jahre 1793 von Friedrich Lehne können Sie hier mit Erläuterungen des Autors nachlesen. Das Lied wird auf die Melodie des Marsches der Marseiller gesungen.

Die Veröffentlichung stammt aus einem Buch der Staatsbibliothek zu Berlin. Wir danken für die Erlaubnis, dies hier veröffentlichen zu dürfen.

"Das Lied der freyen Wöllsteiner" aus dem Jahre 1793